1. Vollversammlung des Fortschrittskollegs Verbund.NRW

09.02.2017
  Begrüßung der Teilnehmenden durch den RWTH-Rektor Prof. Schmachtenberg Urheberrecht: TEER

Am 9. Februar fand die erste Vollversammlung des Fortschrittskollegs Verbund.NRW im Super C der RWTH Aachen statt. Um die 50 Teilnehmer, darunter Doktorandinnen und Doktoranden, Professorinnen und Professoren der RWTH und der FH Münster sowie die Praxispartner des Kollegs und weitere interessierte Akteure aus der Industrie, kamen im Februar zum branchenübergreifenden Dialog zusammen und konnten sich erfolgreich vernetzen.

Die Grußworte sprachen RWTH-Rektor Prof. Schmachtenberg und der Staatssekretär des Ministeriums für Innovation, Wissenschaft und Forschung, Herr Dr. Grünewald. Vorgestellt und eröffnet wurde das Kolleg durch Herrn Prof. Quicker vom TEER der RWTH und Frau Prof. Flamme vom Institut für Wasser – Ressourcen – Umwelt der FH Münster.

Im Anschluss gaben die Kollegiatinnen und Kollegiaten in Kurzpräsentationen erste Einblicke in ihre Projekte. Nachmittags fanden vier inter- und transdisziplinäre Diskussionsrunden zum Thema Chancen und Risiken von Verbunden im Bauwesen statt.

  Diskussionsrunde Urheberrecht: TEER

Der Einsatz von Verbundwerkstoffen und -konstruktionen im Bauwesen

In den vier Diskussionsrunden ging es um den derzeitigen Einsatz von Verbundmaterialien, darunter Textilbeton, Wärmedämmverbundsysteme (WDVS), glasfaserverstärkte Kunststoffe und Holzverbunde. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren sich darin einig, dass Verbundwerkstoffe in Zukunft besonders in Hinsicht auf eine ressourcenschonende Bauweise ein großes Potential haben.

Anforderungen und Herausforderungen

Die Anforderungen an neue innovative Materialien sind sehr vielfältig: Sind sie umweltverträglich und schadstoffarm? Werden geforderte Normen eingehalten? Sind sie leicht, erfüllen aber trotzdem statische Materialeigenschaften? Ist es möglich Herstellungsprozesse zu automatisieren? Stimmt der Preis? Kann das Material nach Ablauf der Nutzungsphase wiederverwendet werden? Was ist bei einer Entsorgung zu beachten?

Weiterhin wurden Herausforderungen beim derzeitigen und zukünftigen Einsatz von Verbundmaterialien im Bausektor diskutiert. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hielten fest, dass bei Recyclinglösungen die Wirtschaftlichkeit eine entscheidende Rolle spielt, da die Entsorgung in den meisten Fällen noch deutlich günstiger ist. Bisher existieren auch keine gesetzlichen Regelungen für einen selektiven Rückbau von Gebäuden und es fehlen deutliche Anreize zur Umsetzung von Recyclingmaßnahmen.

Um Rückbau- und Abfallmengen überhaupt einschätzen zu können, müsste der Markt zunächst analysiert werden. Was und wieviel wurde in den letzten 30-50 Jahren verbaut, welche Materialien werden aktuell im Baubereich verwendet und wie wird sich der Markt entwickeln, sind Fragen, die die Kollegiatinnen und Kollegiaten in Zusammenarbeit mit der Praxis beantworten sollen.

Ein weiteres Problem ist, dass Bauwerke zur Abfallgruppe der langlebigen Produkte gehören und die Nutzungsdauer stark variieren kann. Zudem fehlt ein umfassendes Wissen über verbaute Materialien. Werden unterschiedliche Werkstoffe zusammen verbaut, um verbesserte Eigenschaften zu erzielen, können einzelne Materialien auch verschiedene Nutzungsdauern besitzen.

  Diskussionsrunde Urheberrecht: TEER

Ideen für Lösungsansätze

Schlussendlich wurden gemeinsam Ideen und Lösungsansätze diskutiert, um den Herausforderungen entgegenzukommen. Neue Geschäftsmodelle für Gebäude oder Gebäudekomponenten, wie das Leasing von Konstruktionen beim Hersteller mit Rückgabe, würden das Entsorgungsproblem mehr in Richtung der Hersteller verschieben, sodass diese Verantwortung bereits bei der Entwicklung und Produktion der Konstruktionen übernehmen müssten. Wichtig wäre, unter den Herstellern Anreize für die Entwicklung von Recyclingkonzepten zu schaffen.

Ein zweiter Ansatzpunkt wäre die Festlegung höherer Abfallgebühren durch die Behörden, sodass nicht-recycling gerechte Verbunde schon durch höhere Preise beim Verkauf reguliert werden könnten und ein Antrieb für die Umsetzung der Recyclingverfahren geschaffen wird. Allgemein gültige und akzeptierte Zertifizierungsmodelle für ressourcenschonende und klimafreundliche Bauteile oder ein Materialienpass, aber vor allem auch gesetzliche Vorgaben sind Treiber für neue Entwicklungen. Öffentliche Ausschreibungen für Bauprojekte könnten Wert auf den Einsatz besonders ressourcenschonender Materialien legen, auch wenn diese unter Umständen zumeist teurer sind. Letztendlich ist aber auch zu beobachten, dass nachhaltige Unternehmensziele mehr und mehr in die strategische Ausrichtung von Unternehmen integriert werden.

Somit sollte auch allgemein in der Gesellschaft und bei den Nutzern das Bewusstsein für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft im Bauwesen geschärft werden. Die Erhaltung und Reparatur sollte gefördert und vereinfacht werden. Ebenso ist für Entwicklung und Produktion, die Bauphase und vor allem für den Entsorgungsprozess entsprechend ausgebildetes Personal notwendig.

Zusammenfassend konnte festgehalten werden, dass ein großes Potential für eine ressourcengerechte Bauweise durch den Einsatz von innovativen Verbundmaterialien vorhanden ist, diese bisher aber begrenzt eingesetzt werden. Vor allem deshalb besteht die Chance, dass jetzt bereits bei der Entwicklung und Produktion in Richtung einer späteren Wiederverwertung gedacht werden kann.